Im Osten (eigentlich) nichts Neues · 7067 Tage zuvor by Franz Josef
Lange Zeit wurde nichts geschrieben. Eingeweihte wissen warum. Seis drum: Hier mal wieder ein paar Neuigkeiten. Auf den Punkt gebracht: Mir gehts super ;-) Und übrigens: Li Ming (李明) und Xiao Li (小丽) werden heiraten. Darum gehts diese Woche im LeseSchreibe-Unterricht. Man kennt sie schon aus anderen Lektionen, aber dass die beiden heiraten, hätte ich mir nie gedacht. Obwohl… kurze Reflektion der eigenen Lage: Ich habe eine chinesische Lernfreundin, der ich per MSN eine Aufgabe erklärt habe (“Schreibe einen Aufsatz was Du machst, wenn Du bei einer chinesischen Familie eingeladen bist”). Sie hat das ganze ein wenig missverstanden und hat gedacht ich will SIE besuchen und mir schon etwaige Geschenke vorgeschlagen, die ich ihr mitbringen könnte. Am Ende war ihr das ganze ziemlich peinlich. Täglich kommt eine (zuckersüße) Putzfrau vorbei, die mein Zimmer immer besonders gründlich putzt. Letzten Sonntag hat sie geschlagene 19 Minuten damit verbracht mein Bett zu machen. Lieb. Und zu guterletzt die DuXie-Professorin selbst, die auf meine Frage ob sie schon in Lijiang (丽江) war, darauf geantwortet hat: Nein, aber wenn Du fährst, fahre ich mit. (Sie bedauert es außerdem mindestens einmal die Woche, dass sie keinen Freund hat. Warum auch immer). Mitte Dezember werde ich mit aller Wahrscheinlichkeit mit meiner Lieblingsbritin Tina zusammenziehen. Sie findet das Studentenheim nicht so berauschend (ihr Bett zu machen dauert nur gut eine Minute ;-) ) und ist die einzige die genug Geld hat um eine etwas gehoberenen Ansprüchen entsprechende Wohnung zu mieten. Sparen kann man ja hier beim Essen.

Deutscher Praktikantenstammtisch - Zai lai yi ge (在来一个) · 7203 Tage zuvor by Franz Josef
Ein in Peking monatlich stattfindendes “Event” ist der Praktikantenstammtisch der deutschen Handelskammer Peking. Um es auf den Punkt zu bringen: All das, was man während eines Jahres in China in der Heimat zurücklassen möchte, findet man hier. Nur noch eine Kategorie schlimmer: DEUTSCH. Nun muss ich – bevor ich weiterschreibe – eines klären: Ich bin weder Rassist, noch hasse ich Deutsche. Teile meiner Familie wohnen in Deutschland, ich war mit einer Deutschen zusammen, die Schwester meiner Freundin lebt in München und hat einen Rottweiler geheiratet (nein, nicht den Hund), den ich sehr schätze usw. usf.
Jeder allerdings, der sich fragt, warum die Österreicher die Deutschen so geringschätzen, dem kann ich nur den Praktikantenstammtisch in Peking empfehlen. Dort ist alles vertreten, was Rang und Namen hat. Die Frage ist nur – welcher Rang? Welcher Name? Wenn Leif mich belächelt, weil ich Franz Josef heiße, und das gleich seinem Freund Niklas (DEM Jungen aus Flandern?) mitteilt, dann “krieg ich die Krise”.
Wenn mir ebendieser Leif ganz stolz erzählt, dass er hier in Peking “in IT macht” und ich ihn frage “Was bedeutet das genau?” und er darauf erwidert “na EI-TIH” und mich dabei ansieht, als würde ich aus einem Dritte-Welt-Land kommen, es erst hilft, dass ich erwähne, dass ich Wirtschaftsinformatik studiert habe, um mir dann zu erklären “na so Verkabelungen halt und PCs verchecken”, dann weiß ich: er sieht in seinem grau-rosa Hemd nicht nur aus wie ein Idiot, er ist auch einer.
Diese Meinung manifestiert sich umso mehr, als er mir kurz darauf ganz stolz erklärt, dass er früher schon einmal 6 Monate in Peking war – und jetzt seit einer Woche für immer, er aber kein Wort Chinesisch spricht. Leif, da können deine Eltern aber määächtig stolz auf Dich sein. Wahrscheinlich ist der Sprung von Chemnitz in Richtung Peking auch für Dich ein “großer Sprung nach vorne”.
Sei’s drum, der Boss seiner Firma, (+fügehierdümmlichendeutschenVornamenein+), die laut eigener Beschreibung hier in Peking dringend gebraucht wird, erklärt mir kurzerhand sein Geschäftskonzept: “Die brauchen uns hier in Peking, denn wir verkaufen DEUTSCHE WERTARBEIT”. Oh… das mit der Wertarbeit hätte er mal den “Mützen” erklären sollen. Dass auch er nach Jahren (?) in Peking noch immer kein Chinesisch spricht, beweist er mit einem saloppen “zai lai yi ge” zum Kellner, dabei auf 3 Bier und 3 Jägermeister deutend. Noch eine Mutter, die stolz sein kann.
Nach dem dritten oder vierten Bier (Jägermeister inklusive) fängt – ach, nennen wir ihn einfach Boss – an Witze zu erzählen. Dass die aber schon bei der Erbauung der Cheopspyramide nicht mehr lustig waren, stört ihn dabei herzlich wenig. Aber dass wir drei Österreicher darüber einfach nicht lachen können, scheinbar schon. “Gut, dann nehm ich tausend Peitschenhiebe, aber schnallt mir dabei ‘nen Italiener an’ Arsch!” An dieser Stelle sei angemerkt: Ich hab versucht zu lachen. WIRKLICH. Aber er war einfach nicht lustig.
Themenwechsel. Fußball. Juhu! Hier kürze ich ab. “Alles unfair”. Eigentlich sollten – wer hätte das gedacht – die Deutschen Weltmeister sein. Italiener sind auch alle “doofe Spaghettifresser.” Na klar, Boss. In diesem Momenten überfällt mich immer der Stolz darauf, dass unser Nationalteam so schlecht ist, dass sich bei uns niemand Gedanken über solche Dinge machen muss.
Hier hört die Geschichte schon auf, gut eine Stunde ist vergangen – und wer die Mützenstory gelesen hat, der weiß, warum wir spätestens zu diesem Zeitpunkt aufgebrochen sind.
Dieses Aufeinandertreffen mit unseren lieben Nachbarn inspiriert mich auch hier wieder, mit einem Zitat zu enden, diesmal von
Manfred Deix, dem Wiener Karikaturisten:
“Glaubst, kömma des schreibn: GEHTS ALLE SCHEISSEN!!!”

Die Kochmützen - Wie sehr man unter Heimweh leiden muss, um in China ein "deutsches" Lokal zu besuchen. · 7203 Tage zuvor by Franz Josef
Die Chinesen brauchen die Europäer. Oder die Amerikaner. Auf jeden Fall brauchen sie uns, um unser nicht zu übertreffendes Know How für den Aufschwung ihrer Wirtschaft zu nutzen. Gut. Verständlich, dass über die Jahre viele Profis aus allen möglichen Sparten nach China kamen, um vom Aufschwung zu profitieren und hier das große Geld zu machen. Aber es geht auch anders. Vor 2 Monaten erst sah ich auf RTL II (ich weiß, Schande über mich) eine Show namens “Die Aussteiger”. Dort wurden Menschen vorgestellt, die es ob des in Deutschland immer kleiner werdenden Arbeitsmarktes in die Ferne zieht , schlicht um ihrem aussichtslosen Schicksal in der Heimat zu entfliehen.
So scheinbar auch im Falle der “Kochmützen”. Hier handelt sich Zweifels ohne um Menschen, denen in Deutschland ähnliches Schicksal gedroht haben dürfte. Nichts desto trotz – oder gerade deswegen – haben besagte Mützen hier in Peking ein Lokal aufgemacht. Dieses reiht sich im wunderschönen JianWai (建外) SOHO in eine Riege ausländischer Lokale (wie z.B. Starbucks) ein, ohne den Standard dort auch nur annähernd zu heben, eher im Gegenteil.
Vom chinesischen Kellner überrascht, der uns mit einem familiären “N’Abend!” begrüßte, wurden wir – nicht wissend, dass dies an diesem Abend das letzte deutsche Wort eines Kellners sein sollte, in den ersten Stock geführt. Ohne hier weiter auf den dort stattgefundenen Praktikantenstammtisch der deutschen Handelskammer eingehen zu wollen, machten wir den folgenschweren Fehler, etwas anderes als Bier oder Jägermeister zu bestellen, quasi die zwei Hauptattraktionen des Lokals. Nach dem Durchlesen der Karte entschieden wir uns, auf den “deutschen Qualitätsstandard” zu vertrauen und sowohl Getränke als auch Speisen zu bestellen, die man nicht in jedem chinesischen Restaurant bekommt. Neben einem Erdbeermilchshake von mir bestellten Lisa und Markus je ein Glas Weißwein, einmal Spaghetti mit Schinken und einmal “Spätzle”.
Natürlich hätte uns klar sein müssen, dass Deutschland für Wein ungefähr so bekannt ist, wie Finnland für seine Pizze. Dass Spaghetti aus Italien kommen und Spätzle… naja. Nichts desto trotz – unser Vertrauen war ungebrochen. Selbst als der Kellner (eigenartiger Weise übrigens ein Inder oder Pakistani?) nach 10 Minuten noch mal vorbeischaute , um unsere Bestellung zu verifizieren. Nettes Wort. Blöder Kellner. Nachdem wir aber den Jahreslohn eines chinesischen Wanderarbeiters im Voraus bezahlt hatten, waren wir nach gut 20 Minuten schon ein wenig erbost, dass noch nicht einmal die Getränke serviert waren. In Minute 22 kam dann auch schon mein Milchshake, der … hier fehlen mir die Worte. Sagen wir mal, er war “einfach scheußlich”. Nach 35 Minuten war es dann soweit. Die Speisen meiner Begleiter wurden serviert. Ich fasse mich kurz – ich hab’ sie ja nicht probiert. Lisa (die, wenn sie Hunger hat, wirklich ALLES isst) haben die Nudeln nicht geschmeckt, und Markus erinnerten seine Spätzle auf eigenartige Weise an den Plastikfußboden seiner Jugendherberge.
Der beherzte Leser wird sich jetzt fragen: “Und der Wein?” Der kam nicht. Auch nach 50 Minuten noch nicht. Auf jeden Fall hat es uns dann gereicht, und Markus forderte das Geld für die zwei Gläser Wein zurück. “No Sir! Just wait one moment.” Ein Satz, den wir an diesem Abend öfter gehört haben. Und da schoss es aus Markus heraus: “NO, WE WILL NOT WAIT ANY LONGER! JUST GIVE US OUR MONEY BACK!”. Dass wir die Weine nicht wollten, selbst als er in Minute 55 damit ankam, verwirrte ihn sichtlich. Aber zumindestens hat er uns DANACH anstandslos das Geld (leider nur für den Wein) zurückgegeben.
Fazit:
Eine Mütze allein macht noch keinen Koch. Wer darauf aus ist, deutsches Bier und Jägermeister in rauhen Mengen zu konsumieren und dafür (für chinesische Verhältnisse) überdurchschnittlich viel Geld zu zahlen, der ist hier richtig. Vielleicht auch um ein paar Deutsche zu treffen. Warum diese allerdings die “Mützen” besuchen sollten “ist mir vollkommen unbegreiflich” (Zitat Günther Netzer). Vielleicht wegen der papierenen Deutschlandfahnen an der Wand. Aber vielleicht wollen sie auch nur unter sich sein, die Deutschen. Ganz egal, ob das Essen schmeckt oder nicht. Und dafür sind die “Mützen” wahrscheinlich ein guter Platz.
PS: Ohne Plan vom JianWai SOHO ist das Lokal fast unauffindbar. Und ich glaube, das ist gut so.

Es beginnt. · 7204 Tage zuvor by Franz Josef
Hi. Erstes richtiges Posting. Ich bin bis dato noch nicht dazu gekommen, das Design der Seite zu überarbeiten, weil unser Vermieter sich mit der Anmeldung des Internet mehr Zeit lässt, als uns lieb ist. Egal. Zumindest die ersten zwei Einträge stell ich jetzt online, auch wenn die Seite designmäßig noch nicht wirklich nach was aussieht.

